Manifest der Freundschaft

December 14, 2015

Eigentlich ist es kein Manifest aber Manifest klingt einfach verdammt gut. So mächtig und heroisch.

 

Freundschaft. Ein oft gebrauchtes Wort. Freundschaft. Man hört es überall und immer wieder. Freundschaft. Ja, wir waren mal befreundet. Freundschaft. Viel zu oft gebraucht und viel zu wenig wirklich gelebt. Freundschaft. Wie lange dauert sie? Freundschaft. Was macht sie aus? Freundschaft. Ich hab sie. Freundschaft. Ein Ort der Geborgenheit, des Vertrauens. Freundschaft. Da, wenn es sonst niemand ist. Freundschaft. Ersatzfamilie. Freundschaft. bedeutet Arbeit. Freundschaft. braucht Engagement. Freundschaft, ja, Freundschaft kann so vieles sein und bedeuten.

 

Es gibt vermutlich viele verschiedene Arten von Freundschaft aber widmen wir uns doch den wirklich guten Freundschaften. Was ist eine gute Freundschaft? Was macht Sie aus und wer ist dafür verantwortlich, dass Sie auch funktioniert?

 

Was ist eine gute Freundschaft? Ich könnte schreiben du wirst es schon merken, wenn du eine hast, was eine ist aber das wäre zu einfach, zu wenig, es würde der guten Freundschaft nicht gerecht werden, nicht ansatzweise, nicht mal ein bisschen. Ich kann nicht für alle sprechen aber ich kann für mich sprechen und für mich ist eine gute Freundschaft folgendes: Ich stelle mir sie wie einen Ort vor. Einen wirklich schönen Ort. Irgendwo im Grünen, irgendwo wo es ruhig ist, irgendwo, wo man keine Angst haben muss, irgendwo, wo man sich selbst sein kann, irgendwo, wo man wirklich viel Spass haben kann, irgendwo, wo auch die ernsten Dinge nicht zu kurz kommen, irgendwo, wo alle endlich den gleichen verdammten Musikgeschmack haben und sich die ewige Suche nach einem Song, der allen aber auch wirklich allen gefällt erübrigt hat.

 

Was macht Sie aus und wer ist dafür verantwortlich, dass Sie auch funktioniert? Was Sie ausmacht ist ein bisschen auch was sie ist aber dennoch nicht genau das Selbe. Sie ist ein Geben und Nehmen aber vor allem ein Geben. Am besten gibt man immer ein bisschen mehr, denn es macht einem nichts aus. Irgendwann, irgendwie und in irgendeiner Form wird es wieder zurückkommen, vielliceht auch dann, ja genau dann, wenn man es am wenigsten erwartest. Einfach mal etwas tun, das man eigentlich gar nicht möchte aber kein Wort darüber verlieren. Vielleicht auch einfach eine Veranstaltung besuchen, die man nicht besuchen möchte, nur weil man weiss, dass einer deiner Freunde dort ist und sich über deinen Besuch freut. Vielleicht auch einfach mal jemandem einen gefallen tun, ohne zu erwarten, dass dieser erwiedert wird. Vielleicht einfach mal nicht so unglaublich kleinlich sein. Vielleicht sich auch einfach einmal sagen, dass man froh ist sich zu kennen und zwar nicht auf die willkommen-im-einundzwanzigsten-Jahrhundert-Art mit so Facebook-Schnugi-Kuss-Profilbild-bullshit. Uäch, scheisse nein! So richtig mit Worten und zwar mit schönen, die echt sind.

 

Was macht Sie aus und wer ist dafür verantwortlich, dass Sie auch funktioniert? Wer sorgt dafür, dass Sie funktioniert? Nun ja, du. Nein, Spass, du und ich natürlich. Alle beide und wir zusammen. Denn wer sonst, wenn nicht wir? Ja, genau, niemand. Von nichts kommt nichts aber das hört man ja immer wieder ohne es zu glauben. Das Allerschlimmste, das wir tun können ist uns nicht mehr beieinander zu melden. Und zwar mit der simplen aber unglaublich schlechten Begründung: “Ja, du hast dich ja nicht mehr gemeldet, da hab ich gedacht ich meld mich auch nicht mehr”. Patsch, Ohrfeige! Sag das nochmals und ich wasche dir den Mund mit Seife aus. Aber nicht mit der guten, nein, nein, Freundchen du kriegst die Kernseife mit Fliedergeschmack. Für mich ist das ziemlich einfach: Ich mag dich, wir verstehen uns gut (auch noch ein wichtiger Faktor) und will mit dir befreundet sein, dann melde ich mich auch bei dir und mach einen Termin mit dir aus. Du meldest dich nicht? Mir doch egal, ich melde mich. Wir haben schliesslich immer Spass und eine gute Zeit. Wenn ich dafür lediglich mein Telefon in die Hände nehmen und ein paar wenige Worte aneinanderreihen muss, die so etwas ähnliches wie: “Morgen. Du, ich und 1’000 Bier. Du willst es auch! Grunz.” ergeben, dann werde ich das tun und zwar so oft ich auch nur irgendwie kann. Und nicht weil du dich die Woche zuvor bei mir gemeldet hast. Nein, einfach so ohne einen wirklichen Grund.

 

Ich habe über die letzten Wochen eine Art Theorie entwickelt. Wenn man sich lange genug kennt und sich über einen gewissen Zeitraum auch immer wieder sieht oder etwas zusammen unternimmt, dann kennt man sich irgendwann wirklich sehr gut. Wie lange dieser Zeitraum dauert weiss ich nicht aber ich glaube der muss lange sein. Aber irgendwann, irgendwann da schmilzt man zusammen, man wird eine Einheit, etwas unzertrennliches. Nach diesem Zeitpunkt kann auch gut ein Jahr vergehen, indem man sich nicht sieht, aus den Augen verliert und dennoch, dennoch ist es so als wäre das letzte Aufeinandertreffen erst gestern gewesen und es fühlt sich wie zu Hause an.

 

Was macht sie aus? Was macht die gute Freundschaft aus? Kurz und knapp: dass es sich wie zu Hause anfühlt. Bei einer guten Freundschaft gibt es kein Plus und kein Minus. Sie ist einfach da aber nicht weil man nichts dafür getan hat und sie einfach so bekommen hat. Gute Freunde kann man um etwas bitten, um das man sonst niemanden bitten kann. Gute Freunde sucht man sich aus und man versteht sich blind mit ihnen. Guten Freunden vertraut man Dinge an, die man sonst niemandem anvertrauen würde. Vor guten Freunden kann und muss man nichts verbergen. Guten Freunden gibt man ein Küsschen (hihi). Guten Freunden gibt man sein letztes Hemd.  Guten Freunden gibt man seinen besten Drink. Guten Freunden gibt man alles was man hat und zwar nicht, weil das irgend so ein Idiot schreibt. Natürlich nicht, nein. Sondern weil man es wirklich will und es sich auch richtig anfühlt, wie zu Hause eben.


Wie ist das bei mir? Bei mir ist das ziemlich ähnlich und noch ein bisschen mehr. Ich gebe was ich kann aber ich kriege noch sehr viel mehr zurück. Ich besuche Konzerte, die mir nicht gefallen, um einen guten Freund spielen zu sehen, weil ich weiss, dass er sich freut. Ich besuche Lokale die mir nicht gefallen, weil ich weiss, dass sie einem Freund gefallen. Ich stehe an einem freien Tag am Morgen auf, obwohl ich es hasse am Morgen aufzustehen und es für mich schon viel zu früh ist, Nachmittags um 13.00 aufzustehen. Ich feiere Party’s, um Zeit mit meinen guten Freunden zu verbringen und nicht um möglichst viele Geschenke abzusahnen und mehr weiss ich nicht. Eine ziemlich kurze Liste.

 

Ich kriege aber so viel mehr zurück. Ich kriege wunderschöne Versprechen von meinen guten Freunden. Sie versprechen mir Zeit mit mir zu verbringen und halten diese auch ein. Sie holen mich von zu Hause ab,  wir gehen zusammen in eine Bar und sie bringen mich wieder zurück und oftmals nehmen sie dafür auch riesige Umwege in kauf. Sie besuchen meine Party’s und halten meine aberwitzigen Geschenkideen aus und erfüllen diese sogar. Nein, sie übertreffen diese sogar jedesmal bei weitem. Sie fliegen mit mir in die Ferien, obwohl es sehr umständlich für sie ist und es auch Arbeit bedeutet. Sie helfen mir, wo sie nur können. Sie sind für mich da, wenn es mir richtig dreckig geht. Sie sind mit der Grund, weshalb ich glücklich und zufrieden bin. Sie sind mein persönlicher Schlüssel zum Glück, den ich sicher aufbewahre, Pflege und Hege, damit er auch immer schön glänzt (mein Schatz).

 

Die beste Art eine gute Freundschaft zu erklären ist wohl einfach, eine gute Freundschaft zu beschreiben. Am Ende sind es doch unsere Freundschaften die uns auch ausmachen, prägen und formen. Ich für meinen Teil bin sehr zufrieden mit meinen Freundschaften und die Art wie sie mich geformt und geprägt haben. Ich würde all diese wunderbaren Menschen nicht mehr einen Tag missen wollen.

 

Ein Hoch auf die Freundschaft.

 

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